Mechanisch-Biologische Stabilisierung – das Verfahren

Die Mechanisch-Biologische Abfall­verwertungs­anlage (MBA) wurde von vornherein als Stabilisierungs­anlage konzipiert und genehmigt. Das heißt, ihr Hauptzweck besteht in der Produktion von Ersatz­brennstoff aus Haus- und Gewerbe­müll. Der Brennstoff soll qualitativ hochwertig sein und möglichst wenig Steine, Sand und Scherben enthalten. Nur solche nicht-brennbaren Reststoffe werden auf Deponien abgelagert.  

Genehmigungsrechtlich besteht die MBA Neumünster aus zwei Teilanlagen: Einer Mechanisch-Biologischen, die nach der 30. Verordnung des Bundes­immissions­schutz­gesetzes genehmigt wurde, und einer Brennstoff­aufbereitungs­anlage, die überwiegend nach der Technischen Anleitung (TA) Luft genehmigt wurde. Die Gesamt­anlage ging am 1. Juni 2005 in Betrieb.

Die erste Behandlungs­stufe ist die mechanische Auf­bereitung. Sie beginnt mit der Vor­zerkleinerung der Abfälle in der Anliefer­halle. Daran schließt sich eine Siebung an. Aufgetrennt wird dabei in zwei Fraktionen, eine Grobe > 60 mm Durchmesser und eine feine Fraktion, die im Durchmesser kleiner als 60 mm ist. Die grobe Fraktion gelangt aufgrund ihres höheren Brennwertes direkt in die Brenn­stoff­aufbereitung. Die feine Fraktion wird über Förderbänder in die biologische Trocknung transportiert. Heute sind ca. 70 % des Hausmülls heizwertarm. Es gelangen dementsprechend bei dieser ersten Siebung nur rund 30 % des Hausmülls auf direktem Weg in die Brenn­stoff­aufbereitungs­anlage. Gewerbliche Abfälle und Sperrmüll werden ebenfalls vorzerkleinert und mit einer Absiebung von 50 mm Korngröße vorsortiert, wobei die Feinfraktion direkt der Feinaufbereitung zur Abtrennung der mineralischen Schwerfraktion zugeführt wird.

Magnetabscheider trennen in einem ersten Schritt eisenhaltige Metallteile ab. Anschließend wird das Material durchmischt, bevor Radlader es in Rottemodule (System BIODEGMA®) befördern. Die Rotte­module sind 35 Meter lang und ca. 6 Meter breit. In 48 solcher geschlossener und belüfteter Module erfolgt die biologische Stabili­sierung. Die Behandlung erfordert Sauerstoff und dauert 20 bis 25 Tage. Dabei erhitzt sich der Inhalt eines Moduls durch die biologische Aktivität des Materials. Der Wasser­gehalt verringert sich auf 20 bis 25 %. Abschließend wird das Modul mit einem Radlader geleert. Das Material wird aufgelockert, bevor es in der Fein­aufbereitung weiter behandelt wird.  

Nach der biologischen Behandlung schließt sich eine weitere Siebung an. Es folgt eine Wind­sichtung. Dabei entstehen eine Leicht­fraktion und eine mineralische Schwerfraktion. Letztere wird auf Deponien für mechanisch-biologisch behandelte Abfälle abgelagert. Die Leicht­fraktion besteht überwiegend aus Folien, Stoff- und Papier­fetzen. Sie gelangt in die Brenn­stoff­auf­bereitung. Als feinste Fraktion wird außerdem ein sandiges Material abgesiebt, das feiner als 10 mm im Durchmesser ist. Es enthält einen gewissen Anteil an organischer Substanz und wird deshalb Organik­feinfraktion genannt. In der MBA Lüneburg wird es nachbehandelt und damit deponiefähig gemacht.

Aus den heizwert­reichen Fraktionen der MBA sowie aus den extern angelieferten Abfall- und Sortier­resten anderer Aufbereitungs­anlagen entsteht in der Brenn­stoff­aufbereitung der Ersatz­brennstoff (EBS). Er ist genau auf die Anforderungen des Wirbelschicht­kessels am Heizkraftwerk der Stadtwerke Neumünster GmbH zugeschnitten. Eckpunkte sind eine Korngröße < 120 mm, ein Metallgehalt < 1 % und ein Chlorgehalt <1 %. Um diese Kriterien zu erfüllen, findet erneut eine Siebung statt. Das Überkorn wird nachzerkleinert. Mehrere Schritte zur Abtrennung von eisenhaltigen Metallen sowie von nicht magnetischen Leicht­metallen schließen sich an.

Am Ende steht die Ersatz­brennstoff-Pressstation. Hier wird der fertige Brennstoff in verschlossene zylinder­förmige Container eingepresst. Diese überdimensionierten „Dosen“ werden mit Hilfe von erdgas­betriebenen Sattelzügen zur Thermischen Ersatz­brennstoff-Verwertungsanlage (TEV) des Heizkraftwerks Neumünster transportiert.

Zum Zweck der Lagerung können in einer Ballenpresse EBS-Ballen mit einem Gewicht von rund 1,5 t produziert werden. Metallband stabilisiert die EBS-Ballen, bevor sie vollautomatisch mit Polyethylenfolie umwickelt werden. Auf zwei Lagerflächen werden sie im SWN-Wertstoffzentrum bis zu ihrer Verwertung zwischengelagert. Diese Lager werden meist im Sommer aufgebaut und im Winter wieder geräumt.

Über die letzten 10 Jahre konnte der EBS-Output kontinuierlich gesteigert werden. Er liegt bei rund 170.000 Gewichtstonnen. Gleichzeitig wurden die abzulagernden Fraktionen reduziert. Ihr Anteil liegt mittlerweile nur noch bei 6 % des Inputs.

Der fertige Ersatz­brennstoff wird regelmäßig analysiert. Stündlich wird kurz vor der Verpressung des Ersatz­brennstoffs eine 5-Liter-Probe genommen. Die Probenahme erfolgt an einer Übergabestelle zwischen zwei Bändern. Die Gesamtheit dieser stündlichen Proben wird vor Ort zerkleinert und anschließend zu einer repräsentativen Tagesprobe gemischt. Diese Tagesproben werden mittels Röntgen-Fluoreszenz-Analyse (RFA) auf ihre stoffliche Zusammen­setzung und ihre energetische Qualität untersucht. Außerdem wird aus den 5 Tagesproben einer Woche eine Wochenprobe erstellt, die nasschemisch analysiert wird. Die Analysen führt ein akkreditiertes unabhängiges Labor durch.